Indiens Aktienmärkte
Indiens Aktienmarkt als attraktive Anlagechance

10 Gründe: Warum der indische Aktienmarkt einen anderen Weg einschlagen wird als die Börsen anderer Schwellenländer
Bei der Bewertung indischer Aktien wird die wirtschaftliche Situation des heutigen Indien oft mit der Chinas Anfang der 2000er Jahre verglichen. Schließlich handelt es sich bei beiden um Schwellenländer mit enormem Arbeitskräftepotenzial und großen Binnenmärkten. Während der chinesische Aktienmarkt im Vergleich zu den Börsen anderer Schwellenländer und seiner eigenen Historie günstig erscheint, liegt Indien unter Bewertungsgesichtspunkten am oberen Ende der Skala - er zählt zu den teuersten Börsen der Emerging Markets.
Unseres Erachtens hinkt dieser Vergleich jedoch. Indien nur an anderen Schwellenländern zu messen, wird den besonderen Anlagechancen Indiens nicht gerecht. Im Folgenden nennen wir zehn Gründe, warum Indien eher mit den USA und anderen Industrieländern verglichen werden sollte.
Fazit
Vergleicht man die indische Wirtschaft mit der US-amerikanischen, so gibt es viele Parallelen, aber auch einige Unterschiede. Während die alternden Gesellschaften in Bereichen wie Beschäftigung und Gesundheitsversorgung Druck ausüben, befindet sich Indien in einer anderen Entwicklungsphase. Aufgrund seiner demografischen Struktur besteht die Herausforderung darin, jedes Jahr Millionen neuer Arbeitsplätze zu schaffen, damit mehr Menschen in den Arbeitsmarkt eintreten können. Dazu muss das Land über viele Jahre ein hohes und nachhaltiges Wirtschaftswachstum erzielen. Durch die Kombination der Wachstumsdynamik einer aufstrebenden Volkswirtschaft mit einer strukturellen und institutionellen Stabilität, die mit der von Industrieländern vergleichbar ist, bietet Indien attraktive Anlagechancen, die über die traditioneller Schwellenländer hinausgehen und einen Bewertungsaufschlag rechtfertigen. Wir sind daher der Ansicht, dass Anleger bei der Beurteilung des indischen Aktienmarkts eine breitere Perspektive einnehmen sollten, die seine besondere Stellung und seine spezifischen Merkmale im globalen Anlageumfeld berücksichtigt.
Demokratie als gemeinsame Staatsform
Sowohl Indien als auch die USA sind große Demokratien, was in starkem Kontrast zu vielen Schwellenländern steht, in denen autokratische Regime vorherrschen. Eine demokratische Regierungsform ermöglicht ein transparenteres rechtliches und regulatorisches Umfeld, eine freiere Presse und Gewaltenteilung - alles wichtige Faktoren für das Vertrauen von Investoren. Öffentliche und private Investoren bevorzugen in der Regel solche Merkmale, wenn sie über die Allokation ihrer Vermögenswerte entscheiden.
Aussicht auf starkes und nachhaltiges Wachstum
Indien und die USA haben in der Vergangenheit ein robustes Wirtschaftswachstum verzeichnet. Für beideLänder werden auch für die nächsten fünf Jahre hohe Wachstumsraten prognostiziert. Indiens Wirtschaft wird von einer aufstrebenden Mittelschicht, einer rasanten Urbanisierung und anhaltenden Strukturreformen getragen, während die USA vom technologischen Fortschritt und einem hohen Anteil des Konsums am BIP profitieren. In beiden Ländern gibt es expandierende Unternehmen, von denen Impulse für das Konsumverhalten und die Wirtschaftsentwicklung ausgehen. Mit dieser Wachstumsdynamik, bei der die Aktienerträge weitgehend mit den Unternehmensgewinnen steigen, steht Indien den entwickelten Volkswirtschaften näher als den weniger innovativen und rasch alternden Schwellenländern.
Grafik 1: Börsenentwicklung und Gewinnwachstum in Indien und den USA seit 2010
Quellen: Jeffries, FactSet; Stand: 31. Dezember 2024. Hinweis: Gewinnindex abgeleitet vom lokalen Kursindex und dem 12-Monats-Forward-KGV
Begrenzte Bedeutung staatlicher Unternehmen
Ein wichtiger Unterschied zwischen Indien und anderen Schwellenländern (insbesondere China) ist der begrenzte Einfluss staatlicher Unternehmen. Sowohl Indien als auch die USA haben einen dynamischen Privatsektor, der die Wirtschaft antreibt und Innovation, Unternehmertum, betriebliche Effizienz und Shareholder Value fördert. Dies stärkt die Qualität der Erträge, fördert die Kapitalallokation in der Wirtschaft und verbessert die Investitionsfähigkeit der indischen Märkte im Vergleich zu den von Staatsunternehmen dominierten Schwellenländern.
Robustes Finanzsystem trotz Verschuldung
Im Vergleich zu anderen Ländern wie den USA (264%), Japan (389%) und China (310%) ist Indiens Verschuldung gemessen am BIP (155%) nicht unverhältnismäßig hoch.1 Im Gegensatz zu vielen Schwellenländern, in denen schuldenfinanziertes Wachstum ein Risiko darstellen kann, ist das indische Finanzsystem unseres Erachtens relativ robust - es zeichnet sich durch eine umsichtige Finanzpolitik und eine gesunde Kapitalausstattung des Bankensektors aus. Darüber hinaus ist die Nachfrage der Verbraucher nach Wohnraum im Allgemeinen nicht spekulativ, auch wenn die Verschuldung der Verbraucher mit der Zunahme von Wohneigentum und Hypothekenkrediten gestiegen ist.
Überlegene Rentabilität und Eigenkapitalrendite
Börsentitel aus Indien und die USA weisen im Vergleich zu den meisten Schwellenländern höhere Eigenkapitalrenditen (Return on Equity, ROE) auf. Die Eigenkapitalrendite ist ein Maß dafür, wie effizient ein Unternehmen seine Gewinne erwirtschaftet.
Grafik 2: Konsumausgaben in % des BIP
Quelle: World Bank; Stand: 16. Dezember 2024.
Konsumorientierte Volkswirtschaften
Der Konsum ist sowohl in Indien als auch in den USA ein wichtiger Motor der Wirtschaftstätigkeit und unterscheidet diese Volkswirtschaften von vielen anderen, die stark von Exporten oder Rohstoffen abhängig sind. Indiens wachsende Verbraucherbasis, gepaart mit steigenden verfügbaren Einkommen, ähnelt der reiferen, konsumorientierten Wirtschaft der USA. Dieser gemeinsame strukturelle Faktor macht das Wachstum in beiden Ländern widerstandsfähiger.
Hoher Anteil des Dienstleistungssektors am Aktienmarkt
Dienstleister dominieren sowohl in Indien als auch in den USA die Aktienindizes nach Marktkapitalisierung und unterstreichen damit die modernen Wirtschaftsstrukturen. Insbesondere Indiens florierender IT- und Software-Sektor spiegelt die führende Position der USA in den Bereichen Technologie und professionelle Dienstleistungen wider. Dies steht in starkem Kontrast zu anderen Schwellenländern, in denen Industrie- und Rohstoffsektoren in den Indizes überrepräsentiert sind.
Widerstandsfähigkeit gegenüber globalen Schocks
Indien und die USA haben dank ihrer diversifizierten Volkswirtschaften und einer starken Binnennachfrage eine bemerkenswerte Widerstandsfähigkeit gegenüber globalen wirtschaftlichen Schocks bewiesen. Indiens beständiges Wachstum während der jüngsten Abschwächung der Weltwirtschaft macht das Land weiterhin zu einem verlässlichen Investitionsziel. Dies steht im Gegensatz zu einigen anderen Schwellenländern, die sich als anfälliger für externe Schocks erwiesen haben.
Hohe politische Stabilität
Indien dürfte von langfristigen strukturellen Faktoren wie einer günstigen demografischen Struktur, Urbanisierung und Digitalisierung profitieren, die mit den Wachstumstreibern der USA vergleichbar sind.2 Allerdings liegt das Pro-Kopf-Einkommen Indiens nur bei 3% des Pro-Kopf-Einkommens der USA. Da die junge Bevölkerung Indiens ein immer höheres Bildungs- und Qualifikationsniveau erreicht, besteht ein großes Potenzial, diese Lücke zu schließen. Die steigenden Ausgaben für den Lebensstil der jungen indischen Arbeitskräfte dürften sich auf alle Sektoren auswirken und das Wirtschaftswachstum langfristig stützen.
Langfristiger struktureller Rückenwind
Indien dürfte von langfristigen strukturellen Faktoren wie einer günstigen demografischen Struktur, Urbanisierung und Digitalisierung profitieren, die mit den Wachstumstreibern der USA vergleichbar sind.2 Allerdings liegt das Pro-Kopf-Einkommen Indiens nur bei 3% des Pro-Kopf-Einkommens der USA. Da die junge Bevölkerung Indiens ein immer höheres Bildungs- und Qualifikationsniveau erreicht, besteht ein großes Potenzial, diese Lücke zu schließen. Die steigenden Ausgaben für den Lebensstil der jungen indischen Arbeitskräfte dürften sich auf alle Sektoren auswirken und das Wirtschaftswachstum langfristig stützen.