Die Woche voraus:

Markt-Update von Allianz Global Investors

Asien & die Straße von Hormus

Die Unterzeichnung der Absichtserklärung zwischen den USA und Iran dürfte den Weg für eine Wiederöffnung der Straße von Hormus ebnen. Eine vollständige Normalisierung der Öl- und Gasversorgung ist damit jedoch nicht über Nacht zu erwarten. Tanker, die zuletzt in andere Regionen umgeleitet wurden, benötigen voraussichtlich mehrere Wochen, um zurückzukehren. Auch die zwischenzeitlich gedrosselte Förderung von Rohöl und Erdgas dürfte nur schrittweise wieder anlaufen. Entscheidend bleibt zudem, ob die Meerenge über die zunächst vereinbarte Frist von 60 Tagen hinaus geöffnet bleibt. Dies wird maßgeblich von weiteren Verhandlungen zwischen Washington und Teheran abhängen – insbesondere bei den strittigen Fragen rund um das iranische Atomprogramm und den Umgang mit angereichertem Uran.

Gleichwohl könnte die Absichtserklärung dazu beitragen, dass sich die globalen Rohölpreise wieder in Richtung einer Spanne von 70 bis 80 US-Dollar je Barrel bewegen. Zu den wichtigsten Profiteuren niedrigerer Energiepreise dürfte Asien zählen, da die meisten Volkswirtschaften der Region Nettoimporteure von Energie sind. Als Faustregel gilt: Ein dauerhaft um 10 US-Dollar niedrigerer Ölpreis kann das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts in Asien um rund 20 bis 30 Basispunkte erhöhen.

Niedrigere globale Energiepreise und die Wiederaufnahme der Lieferungen raffinierter Produkte würden den Druck in der Region spürbar verringern. Besonders sichtbar dürften die Effekte in mehreren Bereichen werden:

  • Philippinen, Südkorea, Australien, Singapur und Hongkong: In diesen Volkswirtschaften dürfte sich der Inflationsdruck abschwächen, da dort keine umfassenden Kraftstoffsubventionen bestehen.
  • Indonesien und Malaysia: Hier könnte der Druck auf die Staatsfinanzen nachlassen, da direkte Kraftstoffsubventionen die Haushalte bislang belasten.
  • Thailand, Indien und die Philippinen: Die ausgeprägten Handelsdefizite im Energiebereich dürften sich bei moderateren Weltmarktpreisen verringern.
  • Indien, Japan und Australien: Diese Länder würden von wieder aufgenommenen Lieferungen raffinierter Produkte wie Diesel, Naphtha, Harnstoff und Erdgas aus dem Nahen Osten profitieren.

In den vergangenen Monaten wurde das globale Energieangebot durch zwei Entwicklungen gleichzeitig gestützt: schwächere Öl- und Gasimporte Chinas sowie eine Ausweitung der US-Exporte fossiler Energieträger. Dass China im Mai wieder verstärkt raffinierte Kraftstoffe exportierte, hat die akuten Engpässe in Asien zusätzlich gemildert. Die aktuellen Tankerdaten für Juni und Juli deuten darauf hin, dass dieses günstigere Verhältnis von Angebot und Nachfrage vorerst Bestand haben könnte.

Aus Anlegersicht könnten die zuvor deutlich unter Druck geratenen Staatsanleihen und Währungen ausgewählter asiatischer Volkswirtschaften – etwa der Philippinen, Indonesiens und Indiens – kurzfristig wieder interessant werden, sofern die Risikoaversion an den Märkten nachlässt. Auf der Aktienseite verringern niedrigere Energiepreise den unmittelbaren Gegenwind für den Industrie- und Investitionszyklus in Asien. Davon dürften insbesondere jene Märkte profitieren, die stark mit dem Thema Künstliche Intelligenz verbunden sind – darunter Südkorea, Taiwan, Japan, China und Malaysia.

Brent-Rohölpreis in US-Dollar je Barrel

Quellen: Bloomberg, AllianzGI Global Economics & Strategy. Stand: Juni 2026.

Die Woche voraus

In den USA steht der Arbeitsmarktbericht für Juni im Mittelpunkt. Nach einem Beschäftigungsaufbau von 172.000 Stellen im Mai und einer Arbeitslosenquote von 4,3% werden Investoren genau darauf achten, ob sich die Widerstandsfähigkeit des Arbeitsmarkts bestätigt. Zusätzlich dürften der Chicago Purchasing Managers’ Index (PMI) für Juni am Dienstag sowie der Institute for Supply Management (ISM)-Index für das verarbeitende Gewerbe am Donnerstag wichtige Hinweise auf die konjunkturelle Dynamik liefern. Das Verbrauchervertrauen für Juni wird zudem Aufschluss darüber geben, wie robust sich der private Konsum zuletzt entwickelt hat.

Im Euroraum richtet sich der Blick vor allem auf die Schnellschätzung des harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) für Juni, die am Mittwoch veröffentlicht wird. Für die Märkte wird entscheidend sein, wie die Europäische Zentralbank (EZB) reagieren dürfte, falls sowohl die Gesamt- als auch die Kerninflation hartnäckig oberhalb des Zielwerts von 2% bleiben. Daneben werden der Geschäftsklimaindex, das Verbrauchervertrauen sowie die Arbeitslosenquote für Mai das konjunkturelle Bild abrunden.

In Japan wird am Mittwoch die Tankan-Umfrage für das zweite Quartal veröffentlicht. Die Stimmung sowohl großer als auch kleiner Unternehmen im verarbeitenden Gewerbe und im Dienstleistungssektor dürfte unter dem Druck höherer Energiepreise nachgeben. Bereits am Montag stehen die Einzelhandelsumsätze für Mai auf der Agenda, die Hinweise auf die Verfassung der privaten Nachfrage geben. Am Dienstag folgen Daten zum Arbeitsmarkt sowie zu den Wohnungsbaubeginnen.

In China wird am Dienstag der offizielle Einkaufsmanagerindex des National Bureau of Statistics (NBS) für das verarbeitende Gewerbe im Juni veröffentlicht. Ein Rückgang unter die Schwelle von 50 Punkten würde auf eine weitere Abschwächung der Wachstumsdynamik hindeuten.

Auf ruhigere Energiemärkte und Rückenwind für Asien hofft

Christiaan Tuntono
Senior Economist, Asia Pacific

Falls nicht anders erwähnt, stammen die Daten und Informationen von LSEG Datastream.

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