House View Q1 2026: Diszipliniert und diversifiziert vorgehen
Unsere Einschätzung der globalen Märkte
Konjunktur unter Druck, aber stabil
- Die Weltwirtschaft steht zwar unter Druck, geht aber stabil in das Jahr 2026. Das Wachstum dürfte nahe dem Trendniveau bleiben, gestützt durch eine lockerere Fiskal- und Geldpolitik, meist solide Unternehmensbilanzen und strukturelle Impulse durch KI. Die Inflation entwickelt sich ungleichmäßig und ist vor allem in den USA hartnäckig – anderswo tendiert sie aber nach unten. Die fundamentale und politische Unsicherheit bleibt zwar hoch, hat aber unseres Erachtens den Höhepunkt überschritten. Gleichwohl sollten Anleger Marktturbulenzen mit Blick auf die US-Zwischenwahlen und den Wechsel im Vorsitz der Fed einkalkulieren.
- Dieses Umfeld ist unseres Erachtens günstig für riskante Assets, auch wenn wir uns in einer späten Phase des Konjunkturzyklus befinden, in der das Ertragspotenzial geringer und die Risiken höher sein könnten als in den Vorquartalen. Geopolitische Risiken dürfen nicht außer Acht gelassen werden – wie die US-Intervention in Venezuela zu Jahresbeginn eindrücklich zeigt.
- KI bleibt ein wichtiges Thema, das man aber diszipliniert und diversifiziert abdecken sollte. Wir glauben nicht, dass eine KI-Blase besteht, und mit einem zu vorsichtigen Ansatz könnte man weiteres Aufwärtspotenzial verpassen. Dennoch besteht ein Konzentrationsrisiko. Die Chancen im Zusammenhang mit KI erweitern sich auf Bereiche, die die Nachfrage nach Rechenleistung, Strom und Basistechnologien ankurbeln. Dies spricht für eine Diversifizierung über Tech-Sektoren, Regionen und verwandte Innovationsthemen hinweg. Im Auge zu behalten sind die Credit Default Swap-Spreads für große KI-Firmen, die Bonitätsrisiken signalisieren könnten.
- Wir haben uns risikofreudiger positioniert, diversifiziert über Anlagesegmente und Regionen hinweg. Europa bietet trotz nachlassender Dynamik in Teilbereichen Chancen, während Asien bei Aktien und Devisen weiterhin unterbewertet ist. Die Kombination von Wachstumstreibern wie KI mit Positionen in Schwellenländern, Edelmetallen und Währungen kann helfen, Risiko und Ertrag auszubalancieren. Das Umfeld erscheint robust, bleibt aber auch komplex, sodass aktives Management von entscheidender Bedeutung für den Erfolg sein dürfte.
Chart des Quartals
Ist das Wachstum in den USA breit genug basiert?
Oberflächlich erscheint die US-Wirtschaft robust. Bei näherer Betrachtung ergibt sich jedoch ein uneinheitlicheres Bild. So zeichnet sich eine „K-förmige” Wirtschaftsentwicklung ab: Der obere Arm des K steht für Haushalte mit höherem Einkommen, die weiterhin großzügige Ausgaben tätigen können. Dagegen repräsentiert der untere Arm die Amerikaner mit geringerem Einkommen, denen der anhaltend hohe Preisdruck zu schaffen macht. Wenn diese Divergenz anhält, könnte die Nachhaltigkeit des Wachstums in Frage gestellt werden.
Hinweis: Privater Konsum basierend auf Berechnungen von Moody's (bis zum 2. Quartal 2025).
Quelle: Moody's und Bloomberg.