House View
House View Q2 2026: Den Kurs halten
Unsere Sicht der globalen Märkte
Resilienz auf dem Prüfstand
- Die globalen Märkte starten in das zweite Quartal vor einem komplexeren Hintergrund, als viele zu Jahresbeginn erwartet hatten. Der Krieg im Nahen Osten schafft zusätzliche Unsicherheit, die eine Bewährungsprobe für die Weltwirtschaft darstellen könnte. Der weitere Verlauf hängt davon ab, wie lange die Kämpfe andauern und wie stark die Energiemärkte beeinträchtigt werden. Auch wenn die Folgen noch nicht klar sind, haben sich die Risiken für Wachstum und Inflation erhöht, speziell in energieabhängigen Ländern Europas und Asiens.
- Dennoch bleibt unsere Kernszenario: „Unter Druck, aber stabil“. Die Weltwirtschaft zeigt sich weiterhin widerstandsfähig, gestützt durch Investitionen in KI – insbesondere in den USA eine wichtige Wachstumsstütze. Höhere Energiekosten könnten jedoch die Inflation in mehreren Ländern über den Zielen der Zentralbanken halten und den Spielraum für eine Lockerung der Geldpolitik einschränken. Wir rechnen mit der nächsten Zinssenkung der Fed erst in der zweiten Jahreshälfte. Höhere Energiepreise haben auch zur Abwärtskorrektur unserer Wachstumsprognose für die Eurozone beigetragen.
- Wir halten einen Ölpreis von 90 bis 110 USD für verkraftbar. Größere Risiken ergeben sich, wenn der Preis über längere Zeit hoch bleibt. Denn dann erhöht sich die Gefahr einer Mischung aus höherer Inflation und schwächerem Wachstum. Ein solches Umfeld spricht für den Aufbau widerstandsfähiger Positionen: Wirksame Diversifikation und ein Fokus auf langfristige Ziele können helfen, kurzfristige Schwankungen zu verkraften.
- Vor diesem Hintergrund legen wir den Fokus auf selektive Durations-Engagements, hochwertigen Carry und Aktienthemen, die mit strategischer Autonomie einschließlich Rüstung im Einklang stehen, sowie auf die KI-Enabler, welche die nächste Phase des technologischen Wandels vorantreiben. Wir bleiben gegenüber dem US-Dollar strukturell vorsichtig, trotz kurzfristiger „Safe Haven“-Aufwertung.
GRAFIK DES QUARTALS
Wie wirkt sich der höhere Ölpreis auf die Wirtschaft aus?
Rohöl bildet die Grundlage für zahllose Produkte und Lieferketten. Die Grafik zeigt die Bandbreite der Schätzungen, wie sich ein angebotsbedingter Ölpreisanstieg um 10 % auf Wachstum und Inflation auswirken würde. Dabei markieren die Punkte die durchschnittlich erwarteten Auswirkungen.
Quelle: AllianzGI Economics & Strategy. Hinweis: Die Sensitivitäten basieren auf 68 einzelnen Schätzungen von Zentralbanken (US-Notenbank, Europäische Zentralbank, Bank of Canada, Oesterreichische Nationalbank, Banco de España), internationalen Organisationen (IWF, OECD, Weltbank, Weltwirtschaftsforum) sowie akademischen und Finanzinstituten (JPMorgan, Goldman Sachs, Morgan Stanley, BNP Paribas, Société Générale, Deutsche Bank, UBS, HSBC). Die Schätzungen berücksichtigen weder Zweitrundeneffekte höherer Erdgaspreise, insbesondere in der Eurozone, noch potenzielle nicht-lineare Effekte.