Nachhaltigkeit erreichen
Fünf Themen, die nachhaltige Investitionen im Jahr 2026 prägen werden
Aufbauend auf den jüngsten politischen und marktwirtschaftlichen Veränderungen untersuchen unsere Themen für 2026 Nachhaltigkeitsherausforderungen und branchenweite Trends, die derzeit die Finanzentscheidungen prägen.
Die wichtigste Erkenntnis für 2026? Es bricht eine neue Ära des Pragmatismus an – aufbauend auf der jüngsten Entwicklung, Nachhaltigkeit sowohl als kurzfristige als auch als langfristige Resilienzstrategie zu betrachten, neben wachsendem Bewusstsein für die Kosten einer Fehleinschätzung von Umwelt-, Sozial- und Governance-Faktoren. Wir gehen davon aus, dass sich dieser Trend im Laufe des Jahres 2026 beschleunigen wird, insbesondere in den folgenden miteinander verbundenen Themenbereichen:
1. Souveränität – Mobilisierung von Investitionen
Souveränität in Europa war 2025 ein prägendes Thema und 2026 vollzieht sich nun der Übergang vom Konzept zur praktischen Umsetzung in Anlageportfolios. War Souveränität früher vor allem mit dem Bereich Verteidigung verknüpft, umfasst sie heute die Fähigkeit Europas, in strategisch wichtigen Bereichen eigenständig handlungsfähig zu sein.
Nach unserer Einschätzung wird europäische Souveränität durch mehrere sich überschneidende Faktoren1 geprägt: Verteidigung, Energie, Ernährung, Klimaresilienz, Wasser, Gesundheit, Technologie und das Finanzökosystem. Eine Mischung aus Initiativen zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit2, zukunftsorientierter Regulierung3 und Maßnahmen der Europäischen Kommission zur Mobilisierung von Investitionen4 ermöglicht einen effizienten Kapitaleinsatz und stärkt die Autonomie innerhalb der Union und entlang ihrer Wertschöpfungsketten.
Wir erwarten, dass sich 2026 die Souveränität von einem Resilienz-Thema hin zu einem zentralen Investmentfokus entwickeln wird.
2. Übergangsfinanzierung – Verbesserung der Definitionen (und Kapitalflüsse)
Der Begriff „Transition“ wird oft als Sammelbegriff für nachhaltige Veränderungen verwendet, doch für 2026 erwarten wir präzisere Definitionen, um den Fortschritt voranzutreiben. Eine größere regulatorische Klarheit im Rahmen der SFDR5 darüber, was als Übergangsfinanzierung gilt – in Verbindung mit dem steigenden Interesse der Kunden und der Notwendigkeit, die Übergangsfinanzierung als eigenständige Anlageklasse zu positionieren – wird entscheidend sein, um die Kapitalflüsse zu beschleunigen.
Die Energiewende war 2025 ein herausragendes Thema, da politische Entscheidungsträger, Regulierungsbehörden, Industrie und Finanzwesen in den meisten Regionen die Notwendigkeit erkannt haben, die Auswirkungen des Klimawandels zu mildern. Während sich die Übergangsfinanzierung derzeit auf Klima-, Umweltfragen und Risikominderung konzentriert, könnten neue Leitlinien den Anwendungsbereich auf Anpassung und Resilienz sowie auf nicht klimabezogene Prioritäten ausweiten.
Die Chancen sind enorm und reichen von strukturellen Veränderungen über globale Wertschöpfungsketten bis hin zu privaten wie öffentlichen Märkten. Wir gehen davon aus, dass diese Chancen im Jahr 2026 dazu beitragen werden, die Energiewende als Anlageklasse zu etablieren.
3. Digitale Resilienz – Stärkung der Sicherheitsvorkehrungen
Die technologische Entwicklung hat in den letzten Jahren ein außergewöhnliches Tempo erreicht und sowohl das tägliche Leben als auch die Weltwirtschaft verändert. Unserer Ansicht nach hat die rasante Erweiterung der Möglichkeiten – insbesondere im Bereich der künstlichen Intelligenz (KI) – jedoch die Entwicklung von Sicherheitsvorkehrungen überholt. Die Stärkung dieser Sicherheitsvorkehrungen wird entscheidend sein, um die langfristige Nachhaltigkeit technologiegetriebener Chancen zu gewährleisten.
Wir haben fünf wesentliche Faktoren für den Aufbau einer widerstandsfähigen digitalen Infrastruktur identifiziert: Kontinuität und Zuverlässigkeit, Sicherheit und Datenschutz, Inklusion, Gesundheit und Kompetenzen. Jeder dieser Faktoren wird beeinflussen, wie sich schnell weiterentwickelnde Technologien strukturell positionieren – und darüber entscheiden, in welchem Maß sie Chancen nutzen können und gleichzeitig externe Risiken gemindert werden.
Digitale Resilienz wird unverzichtbar, da die Technologie den globalen Wandel hin zu Modellen unterstützt, die unter den zukünftigen klimatischen, planetarischen und sozialen Bedingungen effizient funktionieren können. Wir erwarten für 2026, dass die digitale Infrastruktur in ihre nächste Entwicklungsphase eintreten wird – angetrieben durch Innovation und die Notwendigkeit robuster Sicherheitsvorkehrungen.
4. Infrastruktur – bietet Diversifizierungsmöglichkeiten
Eine gut funktionierende und widerstandsfähige Infrastruktur ist das Rückgrat einer starken Wirtschaft. Ihr Umfang erweitert sich über grundlegende Systeme und Dienstleistungen hinaus zu einem fortschrittlicheren, technologiegetriebenen Ökosystem, das das sozioökonomische Wachstum unterstützt. Wir gehen davon aus, dass die Infrastrukturentwicklung und -finanzierung in eine neue Phase eintreten wird – angetrieben durch die dringende Notwendigkeit von Anpassung, Minderung, Resilienz, Sicherheit und Wandel.
Die wirtschaftliche Abhängigkeit von einer robusten Infrastruktur wächst rasant und erfordert stärkere Sicherheitsvorkehrungen. Langfristige Widerstandsfähigkeit wird heute maßgeblich von Geopolitik, geoökonomischer Fragmentierung, Ressourcenintensität und physischen Risiken geprägt – was die zentrale Rolle der Infrastruktur für die globale Stabilität unterstreicht.
In der Vergangenheit war die Entwicklung der Infrastruktur weitgehend eine staatliche Aufgabe. Heute zieht ihre wachsende Bedeutung für Energie, Digitalisierung, Wasserwirtschaft und Gesundheit zunehmend privates Kapital an. Rechenzentren sind ein deutliches Beispiel für die rasante Entwicklung der digitalen Infrastruktur, die 2026 eine noch größere Rolle bei Infrastrukturprojekten spielen wird. Dieser Wandel wird sich auf Umfang, Art und Zeitplan der Infrastrukturfinanzierung auswirken und schafft Diversifizierungsmöglichkeiten sowie ein attraktives langfristiges Risiko-Ertrags-Profil für Investoren.
5. Risiken bepreisen – Berücksichtigung von Schäden
Trotz der hohen politischen Brisanz und Volatilität im Zusammenhang mit Nachhaltigkeit beobachten wir, dass Kunden zunehmend nach Möglichkeiten suchen, sich entwickelnde Risiken bestmöglich zu bewerten. Für 2026 erwarten wir erhebliche Fortschritte bei der Bewertung und Integration dieser Risiken in Investitionsentscheidungen.
Diese Veränderung wird durch mehrere Faktoren vorangetrieben: verbesserte Modellierungsfähigkeiten, das Wachstum systematischer und quantitativer Anlagestrategien und eine verbesserte Zuordnung finanzieller Auswirkungen – einschließlich der Rechenschaftspflicht für verursachte Schäden. Zusammen werden diese Entwicklungen die formale Integration von Nachhaltigkeitschancen und -risiken in quantitative Finanzmodelle beschleunigen.
Angesichts der Unsicherheiten hinsichtlich der klimatischen, planetarischen und sozialen Auswirkungen wird die verbesserte Integration von Nachhaltigkeitsfaktoren in Finanzmodelle durch präzisere Szenarioanalysen ergänzt. Der Versicherungs- und der Rechtssektor - beide erfahren darin, Risiken zu identifizieren und zu quantifizieren - sind gut positioniert, um eine führende Rolle bei der Preisgestaltung für neu auftretende Risiken zu übernehmen.
Die Geschichte liefert Beispiele: Diese Branchen haben dazu beigetragen, die Wahrnehmung von Giftstoffen wie Tabak, Asbest und Glyphosat grundlegend zu verändern. In gleicher Weise wird die Preisgestaltung von Klimarisiken den Weg weisen - dicht gefolgt von Biodiversität und sozialer Inklusion.
1 Allianz Global Investors, Souveränität – ein Wachstumsmotor? Oktober 2025
2 Europäische Kommission, Draghi-Bericht zur Wettbewerbsfähigkeit der EU, September 2024
3 Europäische Kommission, Weißbuch zur europäischen Verteidigungsbereitschaft 2030, und Programm „Digitales Europa“ | Gestaltung der digitalen Zukunft Europas digitale Zukunft, 2025
4 Europäische Kommission, Empfehlung der Kommission zur Verbesserung der Verfügbarkeit von Spar- und Anlagekonten, September 2025
5 Verordnung über die Offenlegung nachhaltiger Finanzprodukte