Zins- und Zeitenwende meistern
Wie variabel verzinsliche Anleihen über Marktzyklen hinweg Vorteile bieten
Variabel verzinsliche Anleihen bieten Anlegern die Möglichkeit, Zinsschwankungen einen Schritt vorauszubleiben. Sie bieten Kapitalstabilität und attraktive Ertragsmöglichkeiten, wenn sich die Märkte verändern. In Kombination mit festverzinslichen Anlagen können sie zum Aufbau widerstandsfähiger Portfolios beitragen, die Rendite, Diversifizierung und langfristige Performance in Einklang bringen.
Kernaussagen
- Variabel verzinsliche Anleihen passen ihren Kupon an Veränderungen des Referenzzinssatzes an und schützen so den Wert der Anleihe vor Kursschwankungen.
- Variabel verzinsliche Unternehmensanleihen bieten aktiven Anlegern das Potenzial, zusätzliche Renditen gegenüber Bargeldalternativen zu erzielen.
- Die Kombination von variabel verzinslichen Anleihen mit anderen Rentenpapieren, einschließlich festverzinslichen Anleihen, kann zu einem widerstandsfähigen Portfolio beitragen.
Die meisten Anleihen reagieren empfindlich auf Zinsänderungen. Wenn ein Anleger eine herkömmliche Anleihe kauft und die Zinsen steigen, sinkt der Kurs der Anleihe. Eine Ausnahme bilden variabel verzinsliche Anleihen, deren Kupon sich automatisch an die aktuellen Zinsen anpasst. Sie werden häufig von Anlegern genutzt, die den Wert ihrer Rentenanlagen angesichts unsicherer Zinsen schützen möchten.
In Kombination mit anderen Rentenpapieren – darunter festverzinsliche Anleihen, Unternehmensanleihen und andere – bieten variabel verzinsliche Anleihen unserer Meinung nach eine attraktive Mischung aus Rendite und Kapitalschutz, die in einer Vielzahl von Marktumfeldern zum Tragen kommen kann.
So funktionieren variabel verzinsliche Anleihen
Um zu verstehen, warum variabel verzinsliche Anleihen geschaffen wurden, betrachten wir ein gängiges Risiko für Anleiheinvestoren: steigende Zinsen.
Stellen Sie sich vor, ein Unternehmen begibt eine fünfjährige festverzinsliche Anleihe mit einem Kupon von 4 %, der den aktuellen Zinssätzen entspricht. Zu diesem Zeitpunkt eine scheinbar attraktive Investition. Nehmen wir nun an, die Zentralbank erhöht die Zinsen auf 5 %. Plötzlich erscheint der feste Kupon von 4 % weniger attraktiv, da die Anleihe unterhalb des neuen Marktzinses verzinst wird.
Der Kupon kann sich nicht ändern. Was sich ändern kann, ist der Preis der Anleihe, der fällt. Angenommen der ursprüngliche Preis der Anleihe lag bei 100 EUR, muss er nun auf etwa 95 EUR fallen (unter der Annahme einer Zinsbindung von 5 Jahren und unter sonst gleichen Bedingungen). Bei diesem Preis wird der festverzinsliche Kupon der Anleihe eine Rendite erzielen, die einer Anleihe mit einem Preis von 100 EUR entspricht, die 5 % zahlt.
Der Kursrückgang – entsprechend 5 % des Wertes der Anleihe – zeigt, welche erheblichen Auswirkungen steigende Zinsen auf Anleiheportfolios haben können.
Variabel verzinsliche Anleihen verhalten sich anders. Da der Kupon einer variabel verzinslichen Anleihe an einen Referenzzinssatz gebunden ist, passt er sich automatisch an, wenn sich dieser Zinssatz ändert. Im obigen Beispiel würde es zu keinem Kursrückgang kommen – die variabel verzinsliche Anleihe würde einfach ihren Kupon auf 5 % anpassen, entsprechend dem geltenden Zinssatz.
Was passiert, wenn die Zinsen fallen?
Die Möglichkeit, den Kapitalwert in einem Umfeld steigender Zinsen zu schützen, macht variabel verzinsliche Anleihen bei einer Vielzahl von Anlegern beliebt – sei es als eigenständige Anlage oder als Teil eines diversifizierten Anleiheportfolios.
Tatsächlich ist die Fähigkeit zum Schutz vor steigenden Zinsen so gut etabliert, dass Anleger manchmal davon ausgehen, dass variabel verzinsliche Anleihen in einem umgekehrten Umfeld, in dem die Zinsen fallen, die falschen Anlagen sind. Dies ist jedoch nicht unbedingt der Fall.
Kehren wir zu unserem Beispiel zurück und nehmen wir an, dass die Zinssätze nicht gestiegen sind. Stattdessen sind sie auf 3% gefallen. Das sind gute Nachrichten für den Inhaber der festverzinslichen Anleihe, deren Kurs proportional zum Rückgang der Zinssätze steigen wird.
Bei der variabel verzinslichen Anleihe passt sich der Kupon an den neuen Zinssatz an. Wie im vorherigen Fall bleibt ihr Kurs unverändert. Es entsteht kein Kapitalverlust. Die Tendenz eines variablen Zinssatzes, den Wert zu schützen, gilt sowohl in einem Umfeld fallender als auch steigender Zinsen.
Potenzial für Outperformance gegenüber Bargeldalternativen
In einem Umfeld sinkender Zinsen gehen die Erträge aus variabel verzinslichen Anleihen zwangsläufig zurück, da die Kupons entsprechend dem Referenzzinssatz nach unten angepasst werden. Allerdings sinken unter diesen Bedingungen auch die Einlagenzinsen, wodurch sich auch die Renditen von Geldmarktfonds und kurzfristigen Anleihen verringern.
Variabel verzinsliche Unternehmensanleihen werden in der Regel mit einem Renditeaufschlag gegenüber Geldmarktzinsen gehandelt und bieten Anlegern somit ein zusätzliches Einkommenspolster. Darüber hinaus sind die Credit-Spread-Kurven tendenziell steil. Das bedeutet, Investoren werden in der Regel für die Verlängerung der Laufzeiten um ein, zwei oder sogar drei Jahre mit einer höheren Vergütung belohnt.
Aktive Anleger können auf verschiedene Weise versuchen, zusätzliche Renditen gegenüber Bargeldalternativen zu erzielen:
- Sie können längerfristige variabel verzinsliche Unternehmensanleihen kaufen – über die bei Geldmarktfonds üblichen kurzen Laufzeiten hinaus – um von steilen CreditSpread-Kurven zu profitieren. Dieser Ansatz ermöglicht es ihnen, zusätzliche Erträge zu erzielen und bei abnehmender Restlaufzeit der Anleihen vom Abrollen entlang der Zinskurve („Rolling Down“) zu profitieren.
- Eine aktive Auswahl von Emittenten, die fundamental attraktiv bewertet sind, und eine dynamische Allokation über globale Märkte hinweg kann das risikobereinigte Renditepotenzial weiter steigern.
- Schließlich können Strategien, die das Verhältnis zwischen fest- und variabel verzinslichen Instrumenten flexibel anpassen können, dazu beitragen, Erträge zu sichern, wenn eine geldpolitische Lockerung einsetzt.
Variabel verzinsliche Anleihen weisen in der Regel eine geringe Korrelation mit anderen festverzinslichen Anlagen auf. Das ergibt angesichts ihrer ungewöhnlich geringen Sensitivität gegenüber Zinsänderungen Sinn.
Diese Eigenschaft, relativ unkorreliert mit anderen festverzinslichen Instrumenten zu sein, kann sie zu einem nützlichen Diversifikationsinstrument machen, das angesichts von Zinsvolatilität für Preisstabilität sorgt. Wir sind daher der Ansicht, dass die Kombination von variabel verzinslichen Anleihen mit festverzinslichen Instrumenten eine attraktive Möglichkeit für konstant gute risikobereinigte Renditen bietet.
Ausblick für Anleihen
Wie sehen die makroökonomischen Aussichten für 2026 aus und wie wirken sich diese auf Rentenanlagen aus? Wir gehen davon aus, dass das globale Wachstum dank der weitgehend wachstumsfördernden Politik der wichtigsten Volkswirtschaften robust bleiben wird. In den Industrieländern dürften die Zentralbanken nach der aggressiven Straffung der letzten Jahre ihre Leitzinsen wieder auf ein neutrales Niveau normalisieren. Die Fiskalpolitik dürfte weiterhin unterstützend wirken, da die Regierungen Infrastruktur und strategische Investitionen priorisieren, um anhaltende Handelsbeschränkungen und geopolitische Unsicherheiten auszugleichen. Die Inflationserwartungen gehen weiterhin auseinander – in den USA dürften die Preise steigen, im Euroraum moderat bleiben und in Asien und den wichtigsten Schwellenländern gedämpft bleiben.
Unserer Meinung nach schafft diese Kombination aus stetigem Wachstum und begrenzter Inflation ein weitgehend günstiges Umfeld für Anleihen. Eine Lockerung der Geldpolitik deutet zwar auf geringere Erträge aus variabel verzinslichen Instrumenten hin, bietet aber auch starke Impulse für Volkswirtschaften und Unternehmen. Dieser Ausblick stützt unsere positive Einschätzung hochwertiger Unternehmensanleihen, deren Nachfrage weiterhin robust ist. Obwohl die Bewertungen in einigen Bereichen recht hoch erscheinen, sind wir von wichtigen Sektoren wie Finanzdienstleistungen überzeugt. Wir bevorzugen einen diversifizierten Ansatz, bei dem wir variabel verzinsliche Anleihen mit festverzinslichen Wertpapieren hochwertiger Emittenten kombinieren.
Wir glauben, dass diese Strategie am effektivsten umgesetzt werden kann, wenn drei wichtige Grundsätze beachtet werden:
- Auswahl aus einem sehr breiten Spektrum festverzinslicher Wertpapiere verschiedener Regionen.
- Erstellung eigener interner Analysen, anstatt sich auf Dritte zu verlassen.
- Verfolgung eines flexiblen Ansatzes, der es uns ermöglicht, das Verhältnis zwischen fest- und variabel verzinslichen Anleihen im Portfolio entsprechend den Marktbedingungen anzupassen.
Anhand dieser Grundsätze können Anleger variabel verzinsliche Anleihen nutzen, um Zinsschwankungen einen Schritt voraus zu sein, wenn sich die Märkte verändern.