Im Fokus: Kapitaleinkommen
Sollte ich in Immobilien oder in einen Einkommensfonds investieren? Alexanders Dilemma
In unserem neuesten Fallbeispiel hat Alexander die Wohnung seiner Eltern geerbt, die er ursprünglich vermieten wollte. Nun zieht er jedoch eine andere Möglichkeit in Betracht: die Wohnung zu verkaufen und den Erlös in einen Einkommensfonds zu investieren.
In einem früheren Artikel haben wir erfahren, dass Alexanders betagte Eltern verstorben sind und ihm als einzigem Kind den Großteil ihres Vermögens hinterlassen haben. Dazu gehörte auch eine Wohnung.
Alexander, Mitte fünfzig und alleinstehend, plante zunächst die Wohnung zu vermieten. Die Mieteinnahmen würden ihm ein willkommenes Zusatzeinkommen verschaffen und ihm die Flexibilität geben, beruflich etwas kürzerzutreten und seinen Hobbys nachzugehen, zu denen auch das Reisen gehört.
Doch je mehr Alexander sich mit den Verpflichtungen eines Vermieters auseinandersetzt, desto größer werden seine Zweifel. Hinzu kommt, dass sein Finanzberater nun eine Alternative vorgeschlagen hat: die Wohnung zu verkaufen und den Verkaufserlös in einen Einkommensfonds zu investieren. Diese Option ist zwar nicht für jeden die richtige Wahl – schließlich sind die individuellen Umstände verschieden – doch Alexander hält es für eine Idee, die eine genauere Prüfung wert ist.
Instandhaltungskosten: die versteckten Kosten von Immobilieneigentum
Alexanders Eltern hatten viele Jahre in der Wohnung gelebt. Alexander kennt die sie gut und fühlt sich emotional mit ihr verbunden, auch wenn er selbst nie dort gewohnt hat. Obwohl er bereits ein eigenes Zuhause besitzt, war daher sein erster Impuls, die Wohnung zu behalten.
Alexander hat von Freunden gehört, dass Immobilien eine gute Kapitalanlage sein können. Da sich die Wohnung seiner Eltern in einer Region mit positiven Wertentwicklungen befindet, ging er davon aus, nicht nur von laufenden Mieteinnahmen, sondern auch von möglichen Wertsteigerungen zu profitieren. Für ihn schien die Entscheidung daher zunächst eindeutig.
Dann begannen die Probleme. Als Alexander die Wohnung ausräumte, bemerkte er ein Feuchtigkeitsproblem, verursacht durch ein unentdecktes Leck. Anschließend stellte er fest, dass einer der Fensterrahmen beschädigt war und nicht mehr luftdicht schloss. Als er sich über einen Austausch der Fenster informierte, erfuhr er, dass die örtlichen Vorschriften den Einbau eines bestimmten und kostspieligen Fenstertyps verlangten.
„Der Kostenvoranschlag für die Fenster war ein Schock“, sagt er. „Etwas hat sich in mir verändert. Ich begann, die Wohnung weniger als einen Vermögenswert und mehr als eine Belastung zu sehen.“
Gesucht: Ein erfahrener Vermieter
Alexanders betagte Eltern hatten in ihren letzten Lebensjahren Schwierigkeiten, die Immobilie instand zu halten, sodass sich im Laufe der Zeit verschiedene Probleme angesammelt hatten. Alexander war überzeugt, dass die Wohnung nach der Behebung dieser Mängel eine attraktive Miete erzielen könnte. Dennoch war ihm unwohl bei dem Gedanken, die Renovierung selbst zu organisieren und zu begleiten.
Alexander schilderte seine Situation seinem Finanzberater, der ihm eine weitere Möglichkeit aufzeigte: die Wohnung zu verkaufen und den Verkaufserlös in einen Einkommensfonds zu investieren. Dabei handelte es sich um einen Fonds, der darauf ausgerichtet ist, regelmäßige Erträge zu erwirtschaften – etwa in Form von Dividenden, Zinsen oder anderen Ausschüttungen (wobei die Auszahlungen abhängig von den Marktbewegungen schwanken können).
Wie bei Immobilien können Anleger auch mit einem Einkommensfonds sowohl von laufenden Erträgen als auch von einer langfristigen Wertsteigerung profitieren. Einkommensfonds können in verschiedene Anlageklassen investieren, darunter Anleihen, Aktien und weitere Anlageinstrumente. Da der Fondswert von der Entwicklung der Finanzmärkte abhängt, sind mit einer Anlage auch Risiken verbunden.
Für Alexander läge der Vorteil einer Investition in einen Einkommensfonds darin, dass er nicht länger die Verantwortung für die Instandhaltung der Immobilie tragen müsste. Er müsste weder laufende Instandhaltungskosten einplanen noch sich um die Verwaltung und den organisatorischen Aufwand im Umgang mit privaten Mietern kümmern.
Schließlich entscheidet sich Alexander, die Wohnung zu verkaufen und das Geld zu investieren.
„Bauarbeiten zu koordinieren und Handwerker zu beaufsichtigen ist nicht meine Vorstellung von Freizeit“, sagt er. „Auch wenn es schwerfällt, mich von der Wohnung zu verabschieden, halte ich das für die beste Lösung. Sie verdient es, in die Hände eines neuen Eigentümers zu kommen, der sie genauso schätzt wie meine Eltern.“
Was sind Einkommensfonds? Hier haben wir alle Informationen zusammengefasst.
Immobilie oder Geldanlage? Ein Vergleich
Alexanders Entscheidung war für ihn die richtige. Für einen anderen Anleger könnte es jedoch sinnvoll sein, die Wohnung zu behalten. Hier sind einige wichtige Fragen, die potenzielle Immobilieninvestoren berücksichtigen sollten:
- Welche realistische Miete lässt sich dauerhaft erzielen?
- Wie viel sollte ich für Instandhaltungskosten zurücklegen?
- Habe ich die Kapazität, die Beziehung zu meinem/meinen Mieter(n) selbst zu verwalten, oder sollte ich eine Haus- bzw. Vermietungsverwaltung einschalten?
- Kann ich den Wert der Immobilie durch eine Renovierung oder andere Maßnahmen steigern?
- Könnte ich selbst oder ein Familienmitglied die Immobilie künftig nutzen?
- Könnte ich die Immobilie für Kurzzeitaufenthalte vermieten und mir gleichzeitig die Flexibilität bewahren, sie bei Bedarf selbst zu nutzen?
Jeder Anleger wird diese Fragen unterschiedlich beantworten. Für Alexander waren die Einfachheit und der geringe Verwaltungsaufwand eines Einkommensfonds besonders attraktiv. Er wollte weder die Verantwortung für die Betreuung eines Mieters noch für die Instandhaltung der Wohnung übernehmen. Für ihn war der Einkommensfonds daher die richtige Wahl. Wie würden Sie sich entscheiden?