IM FOKUS: KAPITALEINKOMMEN

Longevity: Kapitaleinkommen für ein längeres, planbares Leben

Wer länger lebt, braucht länger Einkommen – und zwar möglichst planbar. „Longevity“ ist damit nicht nur ein Gesundheits-, sondern auch ein Vermögens- und Einkommens-Thema: Wie lässt sich ein „zweites Gehalt“ aus Kupons und Dividenden aufbauen, um Auszeiten, Teilzeitphasen und eine längere Rentenzeit zu finanzieren?

Longevity: länger gesund – länger finanziell „flüssig“

Longevity beschreibt einen ganzheitlichen Ansatz, der Lebenszeit und Lebensqualität bis ins hohe Alter verlängern will – ausdrücklich inklusive finanzieller Absicherung (Deutsche Longevity Gesellschaft, 2024). Was dabei oft unterschätzt wird: Der Trend ist längst Realität. Die Lebenserwartung ist über Jahrzehnte gestiegen und soll weiter zulegen (United Nations, 2024). Für Anleger ist das die entscheidende Brücke: Mehr Jahre bedeuten mehr Jahre, in denen laufende Ausgaben gedeckt werden müssen.

Dass Longevity auch kulturell „ankommt“, lässt sich sogar in der Sprache messen: In der englischsprachigen Literatur nimmt die relative Häufigkeit des Begriffs deutlich zu (Google, letzter Datenpunkt 2022, abgerufen April 2026).

Abb. 1 Google Ngram: Anteile des Wortes „Longevity“ in englischsprachiger Literatur
Abb. 1 Google Ngram: Anteile des Wortes „Longevity“ in englischsprachiger Literatur

Quelle: Google Trends, Google Ngram, Allianz Global Investors Global Capital Markets & Thematic Research. Die frühere Wertentwicklung lässt nicht auf zukünftige Renditen schließen.
Letzter Datenpunkt: 2022

Demografie: mehr Lebensjahre, weniger Arbeitsjahre
Langlebigkeit ist dabei längst schon Realität. Die Betrachtung der Restlebenserwartung unterschiedlicher Alterskohorten verdeutlicht dies: Wer ein bestimmtes Alter erreicht hat, kann statistisch oft mit weiteren Jahren rechnen. Kurz: Wer länger lebt, lebt immer länger. Er hat eben die davor liegenden Sterbewahrscheinlichkeiten bereits überlebt. Das zeigt sich nicht nur für Deutschland besonders klar, sondern auch für die Europäische Union und ist global nachweisbar (United Nations, 2024).
Abb. 2: Lebenserwartung von Menschen verschiedener Altersgruppen Deutschland
Abb. 2: Lebenserwartung von Menschen verschiedener Altersgruppen Deutschland

Quelle: UN Population Division, Destatis, AllianzGI Global Capital Markets & Thematic Research,
Stand Januar 2026

Gleichzeitig sinkt in vielen Ländern das Arbeitsvolumen je Kopf seit dem 19. Jahrhundert deutlich (Abb. 3). Nicht nur, dass die geleisteten Arbeitsstunden pro Jahr immer weiter zurückgehen, auch rücken immer weniger Menschen im erwerbsfähigen Alter nach, während die geburtenstarken Jahrgänge den Arbeitsmarkt verlassen (Abb. 4). Auch gilt als Daumenregel: Je reicher ein Land, desto früher gehen die Menschen in Rente. Dies erhöht den Druck auf umlagefinanzierte gesetzliche Rentenversicherungssysteme. Gleichzeitig wird private, kapitalgedeckte Vorsorge zur Erzielung von Kapitaleinkommen im immer länger werdenden dritten Lebensabschnitt immer wichtiger.
Abb. 3: Arbeitsstunden pro Jahr, durchschnittlich je Arbeitnehmer
Abb. 3: Arbeitsstunden pro Jahr, durchschnittlich je Arbeitnehmer

Quelle: United Nations (2024). World Population Prospects (2024). AllianzGI Global Capital Markets & Thematic Research,
Stand Oktober 2025

Abb. 4: Deutschland: Rückgang der Personen im erwerbsfähigen Alter, in absoluten Zahlen
Abb. 4: Deutschland: Rückgang der Personen im erwerbsfähigen Alter, in absoluten Zahlen

Quelle: UN Population Division, AllianzGI Global Capital Markets & Thematic Research
Stand Oktober 2024

Neue Lebensmodelle: Brüche einplanen, Einkommen sichern
Auf der Einkommensseite wird Planbarkeit schwieriger: Das durchschnittliche Renteneintrittsalter steigt in der EU wieder (Eurostat, 2025; Carbonaro, 2024). Gleichzeitig werden Erwerbsbiografien weniger linear – mit mehr Wechseln, Übergängen und Phasen außerhalb klassischer Vollzeit (Pew Research Center, 2015; Copeland & Thephasit, 2025; Goulart & Oesch, 2024). Hinzu kommt ein Wertewandel: Sinn, Gesundheit und Flexibilität gewinnen an Gewicht, etwa bei der Gen Z (Deloitte, 2025) und in Diskussionen um kürzere Arbeitszeiten (4 Day Week Global, 2023; Abrams, 2025; Stiftung für Zukunftsfragen, 2024). Für die Finanzplanung heißt das: Wer Auszeiten („Micro-Retirements“) oder Teilzeitphasen einbauen will, braucht neben Erwerbseinkommen eine zweite, tragfähige Einkommensquelle (HR Dive, 2024; Gusto, 2024).
Kapitaleinkommen: das „zweite Gehalt“ für ein längeres Leben

Die Kombination aus längerer Lebenserwartung, tendenziell kürzerer Arbeitszeit und dem Druck auf umlagefinanzierte Systeme macht ein ergänzendes Einkommen aus Vermögen attraktiver – nicht als Luxus, sondern als Notwendigkeit, um höhere Freiheitsgrade bei der Lebensplanung zu erlangen. Kapitaleinkommen kann Auszeiten überbrücken, Teilzeitphasen abfedern und die Rentenzeit stabilisieren (Naumer, 2025).

Im Kern geht es um laufende Ausschüttungen: Kupons aus Anleihen und Dividenden aus Aktien. Kupons sind meist besser planbar; Dividenden schwanken stärker, können aber – wenn Unternehmen wachsen – einen wichtigen Teil der Gesamtrendite liefern (Naumer, 2025). Ein Blick in die Vergangenheit zeigt die Größenordnungen: Wer über die letzten zehn Jahre 100.000 € breit in europäische Standardwerte investiert hätte (als Näherung: STOXX Europe 600), hätte kumuliert über 40.000 € Dividenden vereinnahmt, während der Kurswert auf rund 160.000 € gestiegen wäre (Naumer, 2025). Natürlich: Das ist eine Vergangenheitsbetrachtung, die sich so nicht wiederholen wird, sie zeigt aber die Bedeutung von Dividenden für die Gesamtperformance und das Kapitaleinkommen (Abbildung 5).

Damit Kapitaleinkommen im Alltag tatsächlich wie ein „zweites Gehalt“ wirkt, braucht es Planbarkeit. Dividenden kommen je nach Markt gebündelt (in Deutschland oft jährlich, in den USA häufig quartalsweise). Wer monatlich kalkulieren will, kann Ertragsquellen wie Dividenden und Kupons über die Monate verteilen und Kursgewinne, ganz oder teilweise, ausschütten. „Cash-Puffer“ aus z.B. nicht realisierten Kursgewinnen können dann genutzt werden, wenn es an den Märkten einmal nach unten geht, um den Cash-Flow daraus aufrechtzuerhalten. Die monatlichen Ausschüttungen werden dann in ihrer Höhe so prozentual zur Investition festgelegt, dass die Substanz erhalten bleibt (Naumer, 2025). Das lässt sich auch über passende Fondsstrategien als Gesamtlösung umsetzen.

Länger leben heißt: länger „flüssig“ bleiben. Mit einem gut strukturierten Mix aus Kupons und Dividenden kann Kapitaleinkommen genau dabei helfen.

Abb. 5: Was aus einer Investition von 100.000 Euro bzw. US-Dollar über eine Periode von 10 Jahren wurde
Abb. 5: Was aus einer Investition von 100.000 Euro bzw. US-Dollar über eine Periode von 10 Jahren wurde

Quelle: LSEG Datastream, Allianz Global Investors Global Capital Markets & Thematic Research. Die frühere Wertentwicklung lässt nicht auf zukünftige Renditen schließen,
Stand 20. April 2026.

Literaturverzeichnis

4 Day Week Global (2023). The 4 Day Week Long-Term Pilot Report. https://www.4dayweek.com/long-term-2023-pilot-results

Abrams, Z. (2025, January 1). The rise of the 4-day workweek. Monitor on Psychology, 56(1). https://www.apa.org/monitor/2025/01/rise-of-4-day-workweek

Carbonaro, G. (2024, April 18). How the US retirement age compares with rest of world. Newsweek. https://www.newsweek.com/how-us-retirement-age-compares-rest-world-1895489

Copeland, C. & Thephasit, S. (2025, March 27). Trends in employee tenure, 1983–2024 (Issue Brief). Employee Benefit Research Institute. https://www.ebri.org/publications/research-publications/issue-briefs/content/trends-in-employee-tenure--1983-2024

Deloitte (2025). 2025 Gen Z and Millennial Survey: Money, Meaning, and Well-Being. https://www.deloitte.com/global/en/issues/work/genz-millennial-survey.html

Deutsche Longevity Gesellschaft (2024). Longevity – Definition und Longevity Economy. https://www.deutsche-longevity-gesellschaft.de/longevity

Eurostat (2025, August 20). Pensions and labour market participation - main characteristics. Statistics Explained. https://ec.europa.eu/eurostat/statistics-explained/index.php?oldid=685357

Google (2026). Google Books Ngram Viewer. https://books.google.com/ngrams

Goulart, K. & Oesch, D. (2024). Job tenure in Western Europe, 1993–2021: Decline or stability? European Journal of Industrial Relations, 30(3), 329–353. https://doi.org/10.1177/09596801241268144

Gusto (2024). Workers are taking more sabbatical time: Platform data insights. https://gusto.com/resources/gusto-insights/workers-are-taking-more-sabbatical-time

HR Dive (2024, April 11). 1 in 10 workers are clocking out for micro-retirement, survey finds. https://www.hrdive.com/news/1-in-10-workers-taking-micro-retirement/746714/

Naumer, H.-J. (2025). Kapitaleinkommen in Zeiten der Disruption: Lassen Sie Ihr Geld für sich arbeiten. Springer Gabler. https://doi.org/10.1007/978-3-658-49199-4

Pew Research Center (2015, October 22). Three-in-ten U.S. jobs are held by the self-employed and the workers they hire: National trends in self-employment and job creation. https://www.pewresearch.org/social-trends/2015/10/22/national-trends-in-self-employment-and-job-creation/

Stiftung für Zukunftsfragen (2024, April 30). The opportunities of a 4-day week. https://www.stiftungfuerzukunftsfragen.de/en/the-opportunities-of-a-4-day-week/

United Nations (2024). World Population Prospects (2024). https://population.un.org/wpp/

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